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Die neue Düngeverordnung: Was gilt schon ab dem Sommer und im Herbst 2017

Die neue Düngeverordnung wurde im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und ist am 2. Juni 2017 in Kraft getreten.Im Vergleich zur bisherigen Verordnung verlangt sie insbesondere

  • eine schriftliche Düngebedarfsermittlung mit kulturspezifischen und standortbezogenen Obergrenzen für Stickstoff nach konkreten Vorgaben,
  • längere Verbotszeiträume,in denen keine Düngemittel ausgebracht werden dürfen,
  • größere Abstände beider Düngung in der Nähe von Gewässern,
  • künftig geringere N- und P-Salden ("Kontrollwerte") beim Nährstoffvergleich, die zudem verbindlich einzuhalten sind,
  • die 170-kg-N-Obergrenze/ha im  Betriebsdurchschnitt für alle organischen und organisch­-mineralischen Düngemittel (einseht. Weidegang) anzuwenden,
  • ein Fassungsvermögen für die Lagerung flüssiger WirtschaftsdOnger (Gülle, Jauche, Gärreste incl. Sickersäfte, Niederschlagswasser und nicht abpumpbarer Reste) von mindestens 6 Monaten (ab  1-2020  benötigen Betriebe  mit Tierbesatz  Ober 3 GV/ha oder ohne  eigene Ausbringungsflächen mindestens 9 Monate Lagerkapazität sowie ale Betriebe mit Festmist oder Kompost für diese Stoffe zweiMonate Lagerplatz),
  • Änderungen auch beim Nährstoffvergleich,die zunächst nur Wiederkäuer haltende Betriebe betreffen werden (mit dem lnkrafttreten einer weiteren Verordnung, der.Stoffstrombilanz-Verordnung", sind zunächst viehstarke Betriebe und solche, die Wirtschaftsdünger von anderen aufnehmen, betroffen, später aber auch fast alle Viehhalter).

Die Länder  werden zudem  verpflichtet, in Gebieten mit  aus der Landwirtschaft  stammender hoher Nitratbelastung des Grundwassers oder hoher Phosphatbelastung der oberirdischen Gewässer mindestens dreizusätzliche Maßnahmen aus einer vorgegebenen Liste zu erlassen.

Das Ganze ist sehr komplex und auch manchmal noch nicht ganz ausgegoren, so dass noch Klärungs­ bedarf im Detail besteht. Umsetzungsprobleme werden allein dadurch auftreten, dass die Verordnung viele Fachbegriffe benutzt, diese aber nicht definiert, wie z. B. Feldfutter oder Grobfutter, oder dass sie zwischen Aus- und Aufbringung unterscheidet. Zudem ist die Verordnung sehr auf die Nm,n-Methode als Grundlage der N-Düngebedarfsermittlung fixiert. Für Zweitfrüchte wären jetzt bereits N-Düngebedarfs­ ermittlungen auf dieser Basis vorzunehmen, es existieren jedoch keine belastbaren NrninS·ollwerte für diese Nutzungen und die Nmln-Methode erscheint zu dieser Jahreszeit mit erhöhten Bodentemperaturen auch nicht unbedingt geeignet.

Was geht noch, z. B. mit flüssigen Wirtschaftsdüngern, in der zweiten Jahreshälfte?
Für alle Düngemittel mit einem N-Gehalt über 1,5 % in der Trockenmasse (dazu gehören Gülle, Mist und Jauche, aber auch Gärreste oder Klärschlämme, während Festmiste von Huf- und Klauentieren sowie Komposte   hier   ausgenommen    sind) gilt ein "rundsätzliches" (d.h. es gibt Ausnahmen) Aufbringungsverbot auf Ackerland ab der letzten Hauptfruchternte bis zum 31. Januar des Folgejahres.
Zulässig (ohne Antragstellung) ist die Aufbringung von bis zu 30 kg Ammonium-N oder 60 kg Gesamt­ N/ha bei entsprechendem Bedarf bis zum 1. Oktober zu Zwischenfrüchten, Winterraps oder Feldfutter (die jeweils bis 15 September gesät wurden) und zu Wintergerste nach Getreide, die bis zum 1. Oktober gesät  wurde. Die Aufbringung kann  vor der Saat  oder noch  in den Bestand  erfolgen, immer  aber spätestens bis zum 1. Oktober.

Natürlich muss zum Düngen mit Gülle etc. auch ein N-Bedarf bestehen, was bei hoher langjähriger organischer  Düngung  nicht unbedingt  der  Fall  ist.  Insbesondere  auf  hofnahen Flächen, die in  der Vergangenheit viel Gülle oder Festmist abbekommen haben, ist dies zu beachten. Die 60 kg N/ha sind also kein Freibrief.

Zwischenfruchtmischungen, bei denen Leguminosen weitaus überwiegen, haben keinen N-Bedarf. Bei späten Saatterminen ist der Bedarf z.B. für Feldfutter geringer als beifrühen Saatterminen. Und vor Raps oder Wintergerste spielt der Strohverbleib der Vorfrucht eine Rolle, d.h. mit Stroh können die 60 kg eher ausgereizt werden als ohne.

Auf Grünland und mehrschnittigem Feldfutterbau beginnt der Verbotszeitraum ab 1. November, und er dauert wie auf Ackerland bis zum 31. Januar des Folgejahres. Im Grünland muss beachtet werden, dass bei früherer Abschlussdüngung  als bisher üblich die Bestände noch einen - unerwünschten  - Wachstumsschub erhalten können. Außerdem ist der Oktober oft sehr nass!

Ausgenommen von den aufgeführten Regeln  sind ledigilch Festmiste von Huf- und Klauentieren und Komposte:für sie gilt ein Aufbringungsverbot für Acker- und Grünland vom 15. Dezember bis 15.Januar und im Rahmen einer bedarfsorientierten Zufuhr keine N-Obergrenze.

Zu Gemüse, Erdbeer- und Beerenobst darf beiBedarf bis 1.Dezember gedüngt werden.

Was für die flüssigen  Wirtschaftsdünger  wie Gülle, Jauche  oder  für alle Gärreste  gilt, ist  auch  bei Hühnertrockenkoten,  Geflügelmisten  und  separierten  oder  getrockneten  Produkten aus  organischen Düngern sowie bei Klärschlamm, egal ob fest oder flüssig, zu beachten. Wegen deren schneller N­Wirkung kann die für die Festmiste oder Komposte geltende Ausnahme nicht beansprucht werden.

Auf Antrag können die Verbotszeiträume um bis zu 4 Wochen verschoben werden.Für Düngemittel mit analytisch festgestellten TM-Gehalten unter 2 % kann auf Antrag der Verbotszeitraum aufgehoben oder eingegrenzt  werden,  wenn  maximal  30  kg  Gesamt-N/ha   aufgebracht  werden.   Dies  könnte  eine Möglichkeit  sein,  Jauche-Wasser-Gemische  "unterzubringen", eine rechtzeitige  Untersuchung vorausgesetzt.

Für Klärschlamm bestehen im Vergleich zu Gülle zusätzliche Auflagen: Auf Zwischenfruchtflächen, die im Greening angemeldet sind,dürfen nur ,.organische Wirtschaftsdünger" aufgebracht werden,aber kein Klärschlamm und auch keine mineralischen Düngemittel. Und im Feldfutterbau kann Klärschlamm nicht als Kopfdünger gegeben werden. Die aktuelle Klärschlammverordnung  gilt bis auf weiteres, wobei die Düngeverordnung vorrangig gilt,wenn sie einen Sachverhalt strenger regelt.

Unverzügliche Einarbeitung
Organische und organisch-mineralische  Dünger mit N-Gehalten über 1,5 % in der TM (das sind alle Wirtschaftsdünger)  sind zur Vermeidung gasförmiger Ammoniakverluste auf  unbestelltem Ackerland innerhalb von spätestens 4 Stunden nach Beginn der Aufbringung einzuarbeiten. Ausgenommen davon sind Festmiste von Huf- und Klauentieren sowie Komposte. Stoffe mit weniger als 2 % TM müssen nicht eingearbeitet werden. Das kann für Jauche-Wasser-Gemische  (mit Analyse!) in Anspruch genommen werden, gegebenenfalls auch für flüssige Gärrest-Separate.Obwohldie Intensität der Einarbeitung nicht definiert ist, darf sich der weit überwiegende Anteil des Düngemittels nicht mehr an der Bodenoberfläche befinden.

Gründliche Planung ist notwendig
Die Düngeverordnung zielt auf eine hohe N-Verwertung der Wirtschaftsdünger ab. Diese ist vorrangig bei Ausbringung im Frühjahr gegeben und erfordert daher große Lagerkapazitäten. Um im Spätsommer und  Herbst  die  notwendigen  Flächen  für  die  begrenzt  zulässige  Gülle-  oder  Gärrestausbringung verfügbar  zu  haben,  ist  eine  sorgfältige  Planung  notwendig. Die  notwendigen  Kulturen  (Raps, Wintergerste, Feldfutter, Zwischenfrüchte)  müssen  mit  ausreichenden  Flächen  vorhanden  sein, und wenn dazu die Fruchtfolge umgestellt werden muss!

Wer also bisher z.B. Wintertriticale im Herbst begüllt hat, sollte über Wintergerste nachdenken. Auch gut entwickelte Untersaaten nach früher Maisernte können beiN-Bedarf und bis 1.Oktober gedüngt werden. Im Zweifelsfalle müssen Zwischenfrüchte her. Die Düngeverordnung fordert nicht,  dass diese bis ins Frühjahr stehen, d.h. es kann eine spät gesäte Winterung  folgen. Sie müssen aber wirklich wachsen können,sonst haben sie keinen N-Bedarf.Und es gelten die begrenzten Mengen bis 60 kg Gesamt-N/ha, wobei bei Schweinegülle oder Gärresten die 30 kg Ammonium-N-Grenze meist zuerst greift. Grünland kann im Herbst nur eingeschränkt  eingeplant werden. Mehr als etwa 10 m 3/ha sind in der Regel nicht sinnvoll, damit die Bestände nicht überwachsen. Wie oft ist der Herbst sehr nass und die Flächen sind kaum befahrbar! Wer trotz  allem  nicht  klarkommt, muss  sich rechtzeitig um andere Abnehmer  mit geeigneten Kulturen kümmern!

© Herausgegeben im Juni 2017
gez. Dr. Friedhelm Fritsch, Abteilung Landwirtschaft am DLR R-N-H

mehr Informationen zur Düngerverordnung auf www.dlr.rlp.de