Neues Ernährungsbewusstsein durch Corona

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Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sieht bei den Verbrauchern eine ganz neue Wertschätzung für Lebensmittel. Diese sei im vergangenen Jahr durch die Corona-Krise und die damit verbundene Notwendigkeit entstanden, verstärkt selbst zu kochen, sagte die Ministerin heute zur Eröffnung der BioFach, die pandemiebedingt online stattfindet.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sieht bei den Verbrauchern eine ganz neue Wertschätzung für Lebensmittel. Diese sei im vergangenen Jahr durch die Corona-Krise und die damit verbundene Notwendigkeit entstanden, verstärkt selbst zu kochen, sagte die Ministerin heute zur Eröffnung der BioFach, die pandemiebedingt online stattfindet. Bei den Konsumenten sei vor allem der Wunsch nach regionalen Lebensmitteln stark gestiegen, hob Klöckner hervor. Das habe der Biobranche in Deutschland einen Rekordumsatz verschafft.

 

Die Ressortchefin sieht allerdings noch Verbesserungsbedarf. Es gelte, neue Wege zu finden, um durch die Lebensmittelverarbeitung noch mehr Wertschöpfung im ländlichen Raum zu generieren. Hier gehe es beispielsweise im Schlachtbereich um eine Dezentralisierung. Allerdings bestehe ein Zielkonflikt, wenn man auf der einen Seite kleineren Schlachtunternehmen "mehr Luft zum Atmen" lassen wolle, diese aber Probleme hätten, die hohen hygienischen Standards einzuhalten. Notwendig sei es, vor einer Förderung Vor-Ort-Analysen im ländlichen Raum durchzuführen, um passgenau vorgehen zu können und nicht "mit der Gießkanne".

 

Der Vorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, erinnerte daran, dass es bereits in den letzten Jahren bei Biolebensmitteln einen großen Schub gegeben habe. Die Corona-Pandemie habe dem nochmals einen kräftigen Schwung gegeben. Es sei zu beobachten, dass Innovationen in der Biobranche, die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung noch belächelt worden seien, sich nun als Lösungen für die Zukunft erwiesen, so Löwenstein. Das betreffe zum Beispiel das Abo für die Gemüsekiste, das nun mit Online-Unterstützung ein großer Erfolg sei. Dies gelte aber auch für ganz Vieles, das dem Uranliegen der ökologischen Landwirtschaft entspreche, nämlich eine Alternative zu sein, die mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen nachhaltig und verantwortungsvoll umgehe.

 

Dem BÖLW zufolge bewirtschafteten im vorigen Jahr 35 413 Höfe in Deutschland insgesamt 1,70 Mio ha ökologisch; das waren 10,2 % der gesamten Landwirtschaftsfläche. Das Flächenplus von 5,3 % sorgte dem Dachverband zufolge für zusätzliche 84 930 "Bio-Hektar?; wobei 67 598 ha nach den besonders hohen Standards der Verbände umgestellt wurden. Mehr als 8 000 Betriebe hätten sich in den vergangenen fünf Jahren für die Ökolandwirtschaft entschieden, während im selben Zeitraum Deutschland insgesamt fast 12 000 Höfe verloren habe, stellte der BÖLW fest.

 

Der deutsche Markt für Biolebensmittel ist 2020 dem BÖLW zufolge kräftig gewachsen, und zwar um 22,3 % auf 14,99 Mrd Euro. Echte Verkaufshits seien Ökofleisch und -mehl sowie Bioobst und -gemüse mit Zuwächsen zwischen 70 % beim Geflügel und 25 % beim Obst gewesen. Der Bioanteil am gesamten Lebensmittelmarkt erhöhte sich 2020 laut dem Dachverband auf schätzungsweise 6,4 %. AgE

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